In Bearbeitung:
'The breathing of the true human is from down in his heels,
the breathing of plain humans is from their throats;
as for the cowed, the submissive, they talk in gulps as though retching.
Wherever desires and cravings are deep,
the impuls which is from heaven is shallow.'

Zhuangzi (Graham A.C. 'The Inner Chapters' S. 208)
'Every muscular rigidity contains the history and the meaning of its origin'
(Wilhelm Reich 'The function of Orgasm')
Qigong bedeutet 'Qi Arbeit/Effort'. Gemäss altchinesischer Medizin können wir nur gesund sein, wenn das Qi frei fliessen kann. In verschiedenen Qigong-formen arbeiten wir mit Bewegung, Massage, Abklopfen der Energieleitbahnen, Atem, sowie Tönen. Wir üben auch mit der Natur, zB mit Bäumen und immer im Zusammenspiel mit Meditation. Bei vielen gesundheitlichen Problemen bietet das konzentrierte gemeinsame Üben, das Zusammenspiel von Ruhe und Bewe-gung, Zusammenziehen und Ausdehnen, kombiniert mit sinnlicher Aufmerksam-keit, tiefem Atem und Berührung, hoffnungsvolle Ansätze. Qigong ist zudem ein spannendes Instrument zur Erforschung der Zusammenhänge von körperlichen Anspannungen, Atem und Emotionen. Wir suchen die direkte Erfahrung, die sich in einem langen Prozess immer weniger auf Gewohnheiten oder Erlebnisse in der Vergangenheit bezieht. Der Weg nach Innen, jedes Mal etwas entspannter und durchlässiger, bringt im chinesischen Sinn auch eine zunehmende Verbun-denheit und Resonanz mit der Welt. Schon kleine Verschiebungen helfen kreati-ve Prozesse in Gang zu bringen und einen für uns heilsamen Wandel anzustos-sen. Im Wege stehen uns oft über Jahre eingespielte Lebensgewohnheiten, die mit unserer persönlichen Geschichte, Kultur oder auch früheren Krankheiten einhergehen. An der Wurzel sind oft unreflektierte Ängste oder auch nur Be-quemlichkeit. Die modernen Neurowissenschaften belegen, dass sich solche Gewohnheiten tief in unser System nisten können, bis hin zu organischen An-passungen der Gehirnstruktur. Das heisst vereinfacht gesagt, festgefahrene Ge-wohnheiten können uns sozusagen auf Schienen von der Vergangenheit direkt in die Zukunft leiten und lassen im schlechtesten Fall in der Gegenwart wenig Spielraum für spontanen Wandel. Es besteht die Gefahr, dieses Erstarren mit Persönlichkeit zu verwechseln und sich umso stärker über diese Enge zu defi-nieren, in der sich alles nur darauf bezieht, was wir schon kennen und benen-nen können. Die gute Nachricht von den Neurowissenschaften ist, dass sich die Entwicklung bewusst in offenere, kreative und heilsame Strukturen lenken lässt. Die Methoden des Qigong haben da viel Potential. Ausserdem deutet einiges darauf hin, dass sich mit der Fähigkeit nach Innen zu spüren auch die Wahrneh-mung einer Verbundenheit mit 'dem Anderen' verstärkt. Mit unserem Training, der Arbeit mit 'Yi' und dem Spüren nach Innen stimulieren wir also sowohl im Verständnis des altchinesischen Modells, als auch im Kontext der modernen Neurowissenschaften zentrale Funktionen für eine ganzheitliche Gesundheit.
Dr. Zhang Zhengbin's Klinik (2. von rechts), Chengdu: Ziran Qigong
Mit Cai Songfang, Shanghai: Wuji Qigong
Tashi, Anji-Schamane, Sichuan
Dr. Wang Taidong, Shanghai Qigong Research Institute
Mit Mark Rasmus, Chiang Mai (Thailand): Elastic Force
verstanden haben, es gibt keine Korrektur mehr. Und sowieso, wenn ich nicht intensiv übe, lässt er mich stehen und macht anderes. Um 9:30 trinken wir  Tee und rauchen. Er liebt es, mit mir über Uhren zu reden und nur selten geht er nochmals auf die Übungen ein. Gegen 10:00 kommen die ersten Patient-Innen. Dr. Xie wirkt immer missmutig und schlecht gelaunt (wenn man ihn besser kennt kann er aber ein humorvoller und hilfsbereiter Mann sein) und so empfängt er auch die Hilfesuchenden. Er wechselt an einen Tisch im selben Raum und bereitet seine grossen Nadeln vor. Der Fernseher läuft, ich mache meine Übungen, Dr. Xie plaudert lautstark mit den Patientinnen und Patienten, nimmt ihren Puls und steckt seine grossen Nadeln in sie. Oft bereitet er dann noch eine Kräutermischung zu. Die Gerüche sind mir wunderbar unbekannt. Bis 12:00 ist ein Kommen und Gehen. Ich bleibe immer zum Mittagessen, das nach alter Beijinger Art zubereitet wird. Nach dem Essen strahlt Dr. Xie und greift sich eine Flasche aus dem Regal an der Wand. Es ist Whiskey, den er aus den USA mitgebracht hat. Ich bin der Einzige, der mit ihm trinkt, er ge-niesst das sehr und oft sind das die wichtigsten Momente. Je nach Stimmung kommt er in Fahrt, gibt Erklärungen zum System, zeigt eine Anwendung und kommentiert die Baguazhang Kreise in Beijing. Oder er erzählt einfach wun-derbare Geschichten. Für meine kranke Mutter hat er anhand der ärztlichen Unterlagen ein Rezept geschrieben und die Mixtur gleich selber zusammen-gestellt. Dr. Xie Peiqi ist zwei Jahre später gestorben. Leider war ich nur fünf Monate mit ihm. Trotzdem bleibt das für mich mit eine der eindrücklichsten Inspirationen und Erinnerungen aus meiner Zeit in China.
Trainieren mit Dr. Xie Peiqi (1920 - 2003)
Wie jeden morgen um 8:00 Uhr klopfe ich an die Türe von Dr. Xie Peiqi’s kleiner Wohnung im Dongcheng Distrikt in Beijing. Wie immer öffnet Frau Wang, die Haushaltshilfe die Türe. Dr. Xie sitzt im Wohnzimmer mit dem auf den Boden gemalten Bagua-Symbol vor dem TV, lächelt als er mich sieht und lädt mich ein,
auf den massiven Holzstuhl neben ihm zu sitzen. Dann offeriert er mir wie jeden Morgen als erstes eine Zigarette. Es freut ihn ungemein, dass ich mit ihm rauche. Dr. Xie ist 81 Jahre alt, ein kleiner Mann dessen wirblige Vitalität nach einer schweren Operation langsam wieder Oberhand gewinnt. Er ist eine Legende in China, behandelt täglich PatientInnen und unterrichtet das vollständige System des Yin Fu-Baguazhang inklusive der Heilmethoden. Ich lerne von ihm Neigong (innere Arbeit), Massagetechniken und vor allem die 8 heilenden Laute, deren Vibrationen jeweils auf ein Organsystem und dessen Funktionskreis Einfluss nehmen. Wie jeden Tag zeigt er mir einen Bewe-gungsablauf, den ich umgehend kopieren muss. Seine Anweisungen sind sehr genau, die Anforderungen hoch und die Übungen intensiv. 2, 3 mal korrigiert er mich, dann sitzt er auf seinen Stuhl und schaut das unsägliche Morgen-programm des nationalen Senders CCTV. Gleichzeitig überwacht er meine Bewegungen, kommentiert hin und wieder, selten zustimmend. Es ist hartes Training und Dr. Xie weiss erstaunlicherweise immer sehr genau, was in mir vorgeht. Wenn sich meine Bewegungen allzu weit von seiner Vorgabe entfernen, zeigt er sie mir ein letztes Mal. Dann muss ich die Übung