Taijiquan der Familie Wu: die Kunst des Wandels
Wu Jianquan beim Tuishou
Taijiquan ist die Kampfkunst des Wandels, der Erforschung des Zusammenspiels von   Yin und Yang (Taiji-Prinzip). Dieses Taij-Prinzip wirkt am Ursprung des Universums.  Jede klassische Form des Taijiquans ist so auch eine Verkörperung der energetischen Entstehung der Welt. Im Zentrum des Taijiquans der Familie Wu in Shanghai stehen Basisübungen, die langsame Form, die Arbeit mit 'Qi', die schnelle Form, das Schwert und die Schiebenden Hände. Während die alte Generation vor allem an einer effektiven Kampfkunst interessiert war, sind die Kampfaspekte heute bei den meisten LehrerInnen nicht mehr im Vordergrund*. Es geht aber auch nicht darum, die Formen möglichst schön aufführen zu können, sondern die Prinzipien und Methoden des Taijiquan sinnlich zu verstehen, umfassend zu integrieren und auch praktisch anwenden zu können. Eine zentrale Forderung ist: 'nutze 'Yi' Vorstellungskraft/Bewusstsein und nicht rohe Kraft'. Mit dem Erlernen von Bewegungsabläufen stärken wir vorerst Körperstruktur, Gleichgewicht und Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum. Verlangsamung und Achtsamkeit ermöglichen Entspannung und eine Art fühlendes Bewusstsein, das uns in Resonanz mit der Umwelt bringen kann. Lange ist es die äussere Bewegung, welche Energie und 'innere' Kraft aktiviert. Mit der Zeit wird die Bewegung immer mehr mit dem 'Yi' gelenkt und folgt dem Energiefluss. Über die Schiebenden Hände und andere Partnerübungen bringen wir diese Qualitäten bei Bedarf auch in kämpferisch sinnvolle Anwendungen. Wir lernen präsent und achtsam mit uns selbst zu sein, aber auch mit einem Gegenüber. Das macht das Taijiquan zu einem sehr eigenständigen System, gleichzeitig Kampfkunst und Gesundheitsmethode, das für jede Altersstufe geeignet ist.
*Wie effektiv Taijiquan und andere chinesische Kampfkünste als Selbstverteidung sind, wird immer wieder und auch in China heftig diskutiert. Wie immer wir darüber denken, Gewalt ist Teil unserer Gesellschaft und das Training sollte auch eine gewisse Kompetenz im Umgang damit zum Ziel haben.
Wu Gongzao 'Erklärungen zum Taijiquan' (1935 publiziert): Die Bewegungen des Taijiquan sind also anders als bei anderen Kampfkünsten. Es beruht nicht auf Kraft, um einen Gegner zu besiegen. Es geht nicht nur darum, Sehnen und Knochen zu stärken und Qi und Blut zu regu-lieren, sondern ist in sich (eine Methode) um Körper und Geist zu kultivieren, Krankheiten zu heilen und das Leben zu verlängern. Es ist eine wunderbare Methode zur Pflege des Lebens.
(meine Übersetzung).